zykluswesen

ich bin ein zykluswesen und ich bin nicht alleine: wir – sind viele. jeden monat ovulieren wir, jeden monat menstruieren wir. im nächsten monat geht das dann wieder so. und in dem danach auch. seit 28 jahren bin ich nun ein zykluswesen. doch leider fühle ich mich als solches weitgehend in der gesellschaft in der ich aufwachse, ungesehen. geht es dir auch so?

wir wachsen nicht in dem bewusstsein auf, dass unser leben von zyklen bestimmt ist und haben dieses wissen daher nicht verinnerlicht, obwohl wir für mehrere jahrzehnte zyklische wesen sind und jeden monat aufs neue unsere inneren jahreszeiten durchlaufen: menstruation (winter), präovulation (frühling), ovulation (sommer) und prämenstruum (herbst).

in unserer gesellschaft ist die menstruation leider gottes immer noch ein tabuisiertes thema, über das nicht gerne gesprochen wird. es ist wirklich jammerschade, dass viele mädchen und frauen ihren zyklus kaum kennen, nicht wissen, wann sie fruchtbar sind, sich für ihre blutung schämen oder sich vor ihr ekeln und die nachteile hormoneller verhütung unterschätzen.

auch die prämenstruelle zeit ist nicht sonderlich beliebt unter zykluswesen und genießt gesellschaftlich keinen guten ruf. dabei sind das prämenstruum und die menstruation sehr wertvolle phasen, in der unser intuitives wissen besonders stark ausgeprägt ist.

wir wachsen in einer kultur auf, in denen uns kein positiver zugang zur eigenen menstruation gezeigt wird und deshalb haben wir auch nie gelernt, diese als kraftquelle zu begreifen. der mangel an information und das schweigen über die menstruation kann zur entfremdung vom eigenen körper und den eigenen zyklischen bedürfnissen führen.

solange wir menstruieren, bewegen wir uns in ineinander fließenden kreisen. monat für monat, jahr für jahr. unser körper gibt den rhythmus vor. wir können uns ihm anschließen, ihn kennenlernen und für uns nutzen, oder ihn verweigern, ihn unterdrücken und ihn aus unserem leben ausblenden. diese entscheidung liegt weitgehend bei uns.

aus eigener erfahrung weiß ich, dass eine frau stärke und wissen erlangt, wenn sie ihren körper kennt und mit den eigenen gezeiten arbeitet. das leben dem zyklus entsprechend auszurichten, ist nicht immer leicht, aber möglich. es ist vor allem sehr effizient, wenn es darum geht, mit den eigenen kräften zu haushalten.

ein ritual ist laut duden nichts anderes als ein „wiederholtes, immer gleichbleibendes, regelmäßiges vorgehen nach einer festgelegten ordnung.“ ein menstruationsritual kann stabilität geben und schafft einen raum, wo wir die eigenen energiereserven wieder aufladen können

mit anfang zwanzig habe entschiedenden mich auf den natürlichen rhythmus meines zyklus einzulassen, mit meinen unterschiedlichen energiehoch- und tiefphasen zu arbeiten und meine menstruation zu ritualisieren. gut 15 jahre später bin ich immer noch sehr zufrieden mit meiner entscheidung. diese form von selfcare hat nichts mit egoismus zu tun, denn sie dient nicht nur mir, sondern auch der gesellschaft, von der ich teil bin.

irgendwann werden vielleicht alle begreifen, dass so zu leben eine lebenskunst ist, die unserer natur entspricht. sie hilft uns gesund zu bleiben, nicht auszubrennen und ist ein wichtiges tool, um unsere eigene macht zu kultivieren.

meine ansichten und praktiken sind keineswegs radikal, aber nicht immer gesellschaftskonform und dadurch (ungewollt) unangepasst. not my fault. in einer anderen kultur hätte ich mit dem, was ich denke und tue keinen exotenstatus. ich bin ein zykluswesen und ermögliche meiner zyklusnatur sich in ihrem facettenreichtum zu entfalten. indem ich mich auf diese weise achte, stoße ich gelegentlich andere vor den kopf, schade aber keinem.

liebes fellow zykluswesen, bist du neugierig geworden? schau mal, hier findest du jede menge anregungen, wie auch du dein eigenes menstruationsritual gestalten kannst:

http://muschileaks.de/cyclic-by-nature-empfehlungen-fur-eine-gute-menstruation/