interview mit madita oeming (ze.tt)

madita oeming ist pornoforscherin und widmet sich damit einem gesellschaftlichen tabuthema. dass millionen von deutschen pornos schauen, ist ein offenes geheimnis. dennoch wird madita oeming für ihre arbeit auch angefeindet. eine unterteilung in „gute“ und „schlechte“ pornografie findet sie problematisch und plädiert für eine differenzierte auseinandersetzung mit pornos. anstatt „porno“ also per se zu verteufeln, beschäftigt madita oeming sich damit auf wissenschaftlicher ebene und unterrichtet hierzu auch seminare an der uni. thanks for your amazing work & putting yourself out there, madita oeming! hier geht’s zum interview auf ze.tt:

Interview mit Madita Oeming auf ze.tt

10+1 Fragen mit Kathrin Ahäuser

10+1 Fragen ist eine Interviewreihe von BodyLeaks - Festival for Female Empowerment & Interconnection. Bei 10+1 Fragen werden interessante Persönlichkeiten vorgestellt, die sich mit festivalrelevanten Inhalten beschäftigen und zum Teil auch im Rahmen des Festivals 2021 einen Beitrag leisten werden. 

About Kathrin Ahäuser
Kathrin ist Filmemacherin und Fotojournalistin in Dortmund. Parallel zu
Pille Palle, ihrem Webprojekt über die Antibabypille, schreibt sie auf Instagram über die Pille, Verhütung und Aufklärung. 

Instagram:
https://www.instagram.com/pillepalle_info/
https://www.instagram.com/kathrin_ahaeuser/
Webseite:
www.pillepalle.info
www.kathrin-ahaeuser.de


Worum geht es bei Pille Palle?

In meinen elf Kurzfilmen geht es um die Pille. Es berichten darin Frauen, eine Frauenärztin und ein Frauenarzt, eine Sexualpädagogin, ein Arzneimittelexperte und ein Apotheker von ihren Erfahrungen mit dem Medikament, über Aufklärung sowie positive und negative Nebenwirkungen. Mein Projekt gibt zugleich einen Einblick in unser Gesundheitssystem und zeigt, welche Interessen aufeinander treffen.


Wie kamst du auf die Idee, 11 Kurzfilme über die Pille zu drehen?

Der Auslöser für dieses Projekt war unter anderem ein Artikel im Spiegel im Jahr 2015 über eine junge Frau, die durch die Einnahme der Pille Yasminelle eine lebensgefährliche Thrombose erlitt und ihren Kampf gegen einen Pharmahersteller. Zudem gab es einen anderen Moment, bei dem ich hellhörig wurde. Ein Gynäkologe sagte zu mir: ‚Sie müssen wissen, dass das Risiko unter der Minipille an einer Depression zu erkranken höher ist, als bei einer Mikropille/ Kombinierten Pille’. Diese mir unverständliche Aussage war eine weitere Antriebskraft für mich, zu recherchieren. Ich beschloss, wieder ein Webprojekt zu realisieren und Menschen von ihren Erfahrungen mit der Pille erzählen zu lassen.

Wie denkst du über die Pille?
Meine Haltung ist ein klares „Jein“ zur Pille.

Wie wirkt sich die Pille auf den Körper aus?

Das hormonelle Medikament kann sich in vielerlei Hinsicht auf den Körper und die Psyche auswirken, denn sie wird neben der Verhütung auch als therapeutisches Mittel zum Beispiel bei Akne, Haarausfall oder Endometriose eingesetzt (dafür gibt es spezielle Präparate). Die Pille kann negative und positive Nebenwirkungen haben. Nebenwirkungen können dabei den Körper und die Psyche betreffen.

Wie macht sich der Einfluß der Pharmaindustrie in gynäkologischen Praxen sichtbar?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Es kommt darauf an, ob eine Praxis Pharmareferent*innen empfängt und sich von diesen beeinflussen lässt oder nicht. 

Wie siehst du die Rolle von Männern beim Thema Verhütung?

Ich denke, Männer haben genauso wie Frauen ein großes Interesse an Wissen über Sexualität und Verhütung, doch sie werden nicht direkt adressiert, jedenfalls ist das mein Gefühl. Die Zielgruppe bleiben oft die Frauen.Unabhängig davon, wie viele Verhütungsmethoden es gibt, betrifft es doch immer zwei Personen. Sexualaufklärung muss alle betreffen, auch damit das Gefühl der alleinigen Verantwortung verschwindet, das viele Frauen haben. 


Welche Erkenntnisse haben dich bei deinen Recherchen zur Pille überrascht oder schockiert?

Ich habe sehr viele spannende Einblicke gewinnen dürfen, auch wurde altes Wissen wieder aufgefrischt: Etwa dass die Zulassung eines Medikaments nicht bedeutet, dass wir alles über das Medikament wissen. Ein Beispiel dafür: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Ende 2018 einen Infobrief (Rote-Hand-Brief) über ein leicht erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien bei Pillen mit dem Wirkstoff Dienogest//Ethinylestradiol herausgegeben. Zu diesen Pillen zählt etwa die viel verschriebene Pille Maxim, die zu diesem Zeitpunkt schon Jahre auf dem Markt war. Neue Arzneimittel sind nicht gleich verträglichere Arzneimittel. 

Was würdest du Frauen raten, wenn es um ihre Verhütung geht?

Auf jeden Fall rate ich, Beratung in Anspruch nehmen und sich auch mit dem/der Partner*in auseinandersetzen. Aufklärung ist keine Sache, die in fünf Minuten mit Hilfe von Suchmaschinen zu regeln ist. Im Internet ist es vor allem wichtig, einen Blick ins Impressum zu werfen. Bezüglich Social Media ist das schwieriger, denn es gibt dort keine Impressum-Pflicht. Deshalb sollte man darauf achten, ob Informationen mit „bezahlte Werbung“ oder „Anzeige“ gekennzeichnet sind und auf welche Quellen, sich der/die Verfasser*in bezieht, welche Expertise der-/diejenige hat.

Für „10 nach 8“ auf Zeit Online habe ich zum Influencermarketing einen Artikel geschrieben: https://www.zeit.de/kultur/2020-07/pharmamarketing-verhuetung-pharmaindustrie-influencerinnen-bloggerinnen-antibabypille-instagram


Welche Verhütungsmethoden würdest du der Pille vorziehen?

Keine natürlich. Jede*r muss selbst entscheiden, wie er/sie* verhütet. 

Welche Veränderungen wünscht du dir in Bezug auf die Verhütungsberatung in gynäkologischen Praxen?

Mehr Zeit für Aufklärung. Es ist natürlich verständlich, dass eine Ärztin/ ein Arzt nicht auf einmal alle existierenden Verhütungsmethoden vorstellen kann, plus Anamnese, plus Erklärungen zu Nebenwirkungen. Das ist ein Dilemma. Es müsste sich im Gesundheitswesen etwas ändern und bezahlte Aufklärungszeit geben. Außerdem wünsche ich mir, dass bundesbehördliche Empfehlungen wie die „Patientenkarte“ in Bezug auf das Thromboserisiko für kombinierte Verhütungspillen (die synthetisches Östrogen und Gestagen enthalten) ernst genommen und ausgehändigt werden.

Liebe Kathrin Ahäuser, vielen Dank für das Interview!

yearning for moontime (poem)

the pain and unmet desire of my heart are so strong, they might as well crush me into pieces. feelings so intense, every fiber of my body aches.

moontime. please.
don’t make me wait much longer.
come set me free and gently carry me into dreamtime, where time and space no longer exist.

moontime.
my shell, my shelter and safe place. where i can withdraw from the noise of the world and dive into unknown, yet familiar territories.

moontime.
my merciless teacher. who calls me into discipline. who demands i sit with my every emotion. who challenges me to conquer my fears and look into the mirror to face whatever comes up with courage.

moontime.
my nurturing mother. who guides me on my fall deep down into the void, where i land softly in the darkness of my womb. where i become one with my source, my knowing, my roots, my truth. so i always remember who i am.

moontime.
my sacred space, my fountain of youth, my treasure chest. where i connect with my very essence, where my soul is replenished and my cup is filled again with the gifts of love, power, insight, vision and intention.

moontime.
my ruthless disillusionist. uncovering all that isn’t true and beautiful, burning everything that no longer serves me. calling me to shed my old, suffocating skin.
inviting me to stretch, expand and grow. so i can be in flow again.

moontime. please.
don’t make me wait much longer. this heartache is becoming unbearable and i need to return home to your intuitive wisdom, eternal patience and consoling silence.

moontime.
my sweet relief, my monthly death. the time where i can release it all. where everything dissolves, resolves and i’m born anew.

each month, like a phoenix from the ashes, i rise again.
each time, stronger, wiser and more humble.

a real woman

wow! just wow! i instantly fell in love with this poem. it’s the kind of intensity and realness i want in a relationship – with a deep man who knows exactly what he needs in order to thrive: a real woman – gracious and fierce, who will love the fuck out of him and always challenge him to become his best version. kudos, justin patrick pierce!

Source: Justin Patrick Pierce on YouTube

dear mainstream society, go fuck your toxic narrative around productivity. yours truly, body.

we are more than our minds. we are matter.
our bodies enable us to experience life and i believe it’s our responsibility to pay attention and tend to their needs. our bodies are gifts we must honor.

we live in a culture that is always on the go and doesn’t value leisure. keeping busy and being productive is such a toxic mantra that it requires us to swim against this mainstream current, if we want our bodies to stay healthy. this applies to everyone, not just people like me with a cyclical body. all bodies need rest in order to stay balanced.

one thing i love about my cycle is that it has taught me exactly when my body needs to rest and recharge its energy. but in order to integrate this knowledge into my life, i first had to learn to listen to my body. to become aware of my body. since i’m cyclical, this meant getting to know my four cycle phases.

body literacy wasn’t passed on to me or something i learned at school. in 2002, i was lucky to stumble across a book that changed the course of my life forever and led me on the journey of cyclical living. next year, it will be 30 years since i had my menarche (first menstruation). that’s three decades of being cyclical!

when we start paying attention to our bodies and give them what they need, we do so much more than simply benefit our physical health: we give them a voice and become their advocates and thereby also foster our mental, emotional and spiritual wellbeing – which allows us to live life to the fullest.

shortly before i menstruate, my body gets less energetic and i feel the need to slow down. i usually try to finish projects and prepare for my menstrual phase, so that when it’s time for my uterus to shed its menstrual blood, i can relax into this natural phase of renewal.

if i were to submit to mainstream culture’s non-stop productivity beat and ignore my body’s monthly need to recharge and withdraw from the outside world – such as my relationships, events, obligations and social media – my body would suffer from lack of rest and regeneration.

this suffering would not only affect my physical, but also mental health. by following the beat of my cycle and allowing my body to take up space in my life, i’m not just doing myself a favor, but also the society i live in.

so, you’re welcome, mainstream society! you’re welcome that i prioritize my body’s innate wisdom over your toxic live-life-like-a-busy-bee-mantra. if i were to live my life according to that lie, i’d be overwhelmed, exhausted and probably struggling with health issues.

is that what you want? a powerless, drained and eventually sick woman? are those the attributes that make me a strong member of society?

dear mainstream society, i know… you don’t value my life style and i can almost see you rolling your eyes at the thought of me taking a few days off when i menstruate. how dare i be – what you consider – unproductive.

well, let me tell you something: you don’t get to define the terms of my productivity. we do: my body and i.

and by golly, we do this well!
in sync with my body and every month anew, i become the empress and alchemist of my cyclical energy, witnessing its transformation, when it ebbs, when it flows. when it’s a trickling stream whispering course corrections, or a clear and quiet pond revealing pearls of wisdom, or when it rises to an ocean, majestic and powerful, full of outward-directed intention.

ohhh, and when it rises, you better watch out! because that energy becomes a fucking tsunami! which, worry not, i have learned to harness and channel into… you wouldn’t have guessed… productivity.

or actually, do worry!
do worry that one day, millions of us – no matter what sex we are – will be honoring our bodies again. and in honoring our own bodies, we will begin to value and protect the biggest body of all: the earth we live on – our mother – who nourishes every single one of us. when that time comes, your toxic narrative that only causes greed and suffering will finally be: a thing of the past.

„come sit on my lap and tell me how jealous you are, baby!“

being <<my age>>, i was convinced jealousy was a thing of the past and certainly nothing i needed to worry about… oh boy, was i wrong! recently, when spending time with someone i like, i got hit by it so hard and unexpectedly, within a few seconds, my whole body was raging with fear and hatred.

i had forgotten what a primal and intense emotion jealousy is and how – not only it affects our thoughts – but is a sensation that takes over our entire nervous system.

at said moment, while trying hard to maintain a polite and fake smiley face, i felt like jumping the bitch, grabbing her by the throat and scratching her eyes out. pardon my misogynist and violent language but its crudeness mirrors exactly the feeling that was eating me alive on the inside.

instead of saying something, i bit my tongue, felt ashamed and missed an opportunity to reveal the truth of my heart.

unfortunately, being my age doesn’t mean a rat’s ass when it comes to experiencing jealousy. luckily, it does mean i won’t attack anyone.

of course there are situations where jealousy is justified, e.g. when your partner is betraying you. but if that isn’t the case and your jealousy is a product of your own fear and insecurity, it bears the risk of becoming a destructive element in a loving relationship and can wear your partner out.

so, when it comes to our partner, do we want them to feel like they can’t be trusted? do we want to make them feel constricted? no, we don’t. we want our partner to know that we trust them with all our heart and give them the freedom they need to thrive as a person.

what to do?
i don’t know about you, but next time ol‘ jealo sneaks up on me, i will own that sucker! which according to john wineland could sound something like this:

<< i’m so fucking jealous right now, i can’t stand it! the thought of somebody else touching you just makes me crazy… >>

now, if your partner is cool, they will understand that you’re not accusing them of anything, but that you are making yourself vulnerable by revealing them your <<gollum>>.

if jealousy is something you struggle with, check out john wineland’s thoughts below. i like that he introduces the concept of acceptance and element of playful eroticism 🙂

Source: John Wineland on YouTube

„pornografie ist nicht realität, sondern bewusste grenzüberschreitung“

wie schon so oft, bin ich madita oeming wieder einmal äußerst dankbar für ihre erfrischend differenzierte auseinandersetzung mit dem thema porno. thanks for all you do, madita oeming! your work is so valuable!

zieht’s euch rein, ist ein super artikel auf ze.tt über die sat.1 doku „mütter machen porno“:

10+1 Fragen mit Clara Carolina

Clara Carolina hat sich vor einigen Jahren dazu entschlossen, eine ganzheitliche Lösung für ihre damaligen Menstruationsbeschwerden und unregelmäßigen Zyklen zu finden. Ihr Weg hat sie zu einer nachhaltigen Veränderung ihres Lebensstils und zu ihrer heutigen Begeisterung und Berufung zum Thema Menstruation und Zyklusachtsamkeit geführt.

Sie teilt ihre Tipps und Erfahrungen für ein ganzheitliches Wohlbefinden, angenehme Perioden und ein Leben im Einklang mit dem inneren Rhythmus über ihren Podcast „Menstruality“ und auf ihrem Instagram-Account @clara.carolinaa. In Kürze (Sommer/Herbst 2020) erscheint zudem ein von ihr illustrierter Zyklus-Guide mit wertvollen und anschaulichen Inspirationen für eine angenehme Periode und einen harmonischen Zyklus.

Instagram: https://www.instagram.com/clara.carolinaa/

Worum geht es bei deinem Podcast „Menstruality“?

Ich möchte mit dem Podcast „Menstruality“ den Themen rund um Menstruation, Fruchtbarkeit, Zyklusgesundheit und Weiblichkeit mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit geben. Ich versuche meine Erfahrungen und dass, was ich gelernt habe und jeden Tag neu dazu lerne, anderen auf leichte und inspirierende Art zugänglich zu machen. Vor allem möchte ich bei anderen Zykluswesen das Interesse und die Neugier wecken, sich selbst auf den Weg zu machen und den eigenen Zyklus besser kennenzulernen und wertzuschätzen. Es geht viel um Aufklärung und Verbreitung von wichtigem Wissen, z.B. darüber wie Regelschmerzen überhaupt entstehen können und was Linderung verschaffen kann, welche extremen Auswirkungen die Pille hat oder wie man selbst für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt sorgen kann. Darüber hinaus steckt für mich hinter dem Begriff „Menstruality“ noch sehr viel mehr. Eins meiner Lieblingsthemen ist die innere Einkehr und der Rückzug von der Außenwelt während der Menstruation und wie uns das neue Kraft geben kann und uns auf das besinnt, was uns wirklich wichtig ist im Leben.

Was bedeutet es zyklisch zu leben?

Zyklisch zu leben bedeutet für mich zu akzeptieren, dass wir nicht jeden Tag gleich „funktionieren“. Dass wir achtsam mit unserer Energie und unserer Aufmerksamkeit umgehen und durch Selbstbeobachtung die natürlichen Schwankungen innerhalb eines Zyklus verstehen und lernen, mit diesen umzugehen. Und sie viel mehr noch für unsere Träume und ein erfüllteres Leben gezielt nutzen. Wenn wir uns selbst besser kennen lernen, kann uns das dabei helfen, uns so anzunehmen wie wir sind, mit allen Stärken und vermeintlichen Schwächen. Wir wissen, wann wir Ruhe und Entspannung sowie einen Rückzug in die Innenwelt brauchen und wann es wiederum Zeit ist, sich aus der Komfortzone herauszuwagen und Neues auszuprobieren. Wir können dadurch besser herausfinden, welche Aktivitäten zu welchen Zeiten besonders viel Sinn machen und das in uns schlummernde Potenzial spielerisch und auf leichte Art entfalten.

Es bedeutet für mich auch, dass wir der linear ausgerichteten Welt um uns herum zeigen und für uns selbst erfahren, dass es viel schöner und erfüllender sein kann, wenn wir nach unserem eigenen Rhythmus tanzen und unser Leben nach unseren natürlichen Zyklen ausrichten. Für mich heißt das unter anderem, dass ich meinen Alltag und meinen Beruf immer mehr so gestalte, dass es mir möglich ist, in dieser Welt zyklisch zu leben. Das heißt, mein Leben auf meinen inneren Zyklus und auf die Zyklen der Natur immer mehr anzupassen.

Welche Erfahrungen hast du mit hormoneller Verhütung gemacht?

Auf Empfehlung meiner damaligen Frauenärztin und aufgrund fehlender Aufklärung und Selbstrecherche habe ich mit 18 Jahren angefangen mit dem NuvaRing zu verhüten. Der NuvaRing ist ein Silikonring, der in der Vagina sitzt und regelmäßig durch einen neuen Ring ausgetauscht wird. Die Konzentration der hormonähnlichen Stoffe, sind die der Pille sehr ähnlich, nur geringer dosiert, da sie direkt über die Schleimhäute aufgenommen werden. Diesen Ring habe ich für etwa 5 Jahre als Verhütungsmittel verwendet. In der Zeit wurden meine Krämpfe und Schmerzen während der Abbruchblutung (bei hormoneller Verhütung findet kein Eisprung und somit auch keine Menstruation statt) so schlimm, dass ich drei Tage lang mit der erlaubten Höchstdosis an Schmerztabletten im Bett lag – und immer noch an Schmerzen litt. Diese psychische und körperliche Belastung wollte ich irgendwann nicht mehr ertragen und habe nach einer Lösung gesucht. Von der Schulmedizin nicht ernst genommen, habe ich angefangen alles über den menstruellen Zyklus zu lesen und zu lernen, was mir in die Finger gekommen ist. Zunächst habe ich den NuvaRing abgesetzt – anfangs mit einigen Bedenken. In der Zwischenzeit habe ich vieles an meiner Einstellung zur Weiblichkeit, meine Ernährung und meinen Lebensstill verändert. Meine erste richtige Menstruation hatte ich dann 7 Monate nach dem Absetzen. So gut wie schmerzfrei. Außerdem habe ich mich vom Wesen her komplett anders gefühlt. Meine Lust war wieder da, meine ständigen Blasenentzündungen waren weg und auch meine Stimmung hat sich deutlich erhellt. Ich hab mich wieder nach mir gefühlt und mich nochmal von Grund auf neu entdeckt. Nach und nach hatte ich wieder eine viel bessere Verbindung zu meiner inneren Stimme, meiner Intuition. Meine Bewunderung und Wertschätzung für den Zyklus und die verschiedenen Prozesse werden seitdem immer tiefer. 

Was schätzt du an deinem Menstruationszyklus?

An meinem Menstruationszyklus schätze ich sehr viel. Wahrscheinlich vor allem, dass ich durch den Wechsel der Zyklusphasen mit den verschiedenen Aspekten in mir in Kontakt komme und diese als ein Teil von mir anzunehmen lerne und immer mehr als Bereicherung erkenne. Ich finde es super interessant, zu beobachten, wie sich im Laufe eines Zyklus meine Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse verändern. Mal bin ich introvertiert und will mit der Außenwelt und dem Alltag nichts zu tun haben, lese spirituelle Bücher und bin viel für mich. Dann wiederum erlebe ich mich super kommunikativ, hilfsbereit und möchte das Leben und die Welt um mich herum mit allen Sinnen genießen. Dadurch bekomme ich die Möglichkeit, mich immer weiter zu entwickeln. 

Eine Phase, die ich besonders schätze und für mich persönlich als sehr heilig empfinde, ist die Menstruation, da ich mich zu dieser Zeit auf einer ganz tiefen Ebene erholen und reinigen kann und sich etwas in mir erneuert. Ich merke, was ich loslassen und was ich mehr in mein Leben einladen möchte. Wenn ich mich selbst mit einer menstruellen Auszeit beschenke, verändert das die ganze Erfahrung von Grund auf und ich gehe frisch gestärkt und mit einer klaren Vision in einen neuen Zyklus hinein. Für mich ist ein Rückzug während der Periode mit die wirkungsvollste, spirituelle Praxis.

Welche Zyklusphasen gibt es?

Es gibt verschiedene Herangehensweisen, den menstruellen Zyklus in verschiedene Phasen einzuteilen. Sie lassen sich durch die Veränderungen des Hormonhaushaltes erklären, die Auswirkungen auf Körper und Geist haben und damit auch auf unser Energielevel und Hungergefühl, unsere Lust und Gefühlswelt oder auch auf unseren Schlafbedarf und geistige Fähigkeiten, wie unsere Kreativität oder Konzentration. Ich mag sehr gern das Modell der inneren Jahreszeiten. Dementsprechend ist die Phase der Menstruation der innere Winter und steht für Ruhe und Rückzug. Wir ziehen uns von der Außenwelt zurück, der Körper regeneriert sich und wir schöpfen neue Kraft aus dem Innern. Es ist eine Zeit der tiefen Erholung, Besinnung und Meditation. Dem folgt der innere Frühling, die Follikelphase. Wir tauchen langsam wieder auf, im besten Falle erholt und gestärkt und setzen unsere neuen Ideen und Eingebungen spielerisch um. Im Körper steigen die Hormone wieder an und wir spüren neue Energie und Lust auf die Welt im Außen. Die Eierstöcke sind voll damit beschäftigt ein neues Ei heranreifen zu lassen und die Gebärmutter wird mit neuer Schleimhaut ausgestattet. Wenn der Follikel eine bestimmte Größe erreicht hat und die Konzentration des Hormons Östrogen sein Hoch erreicht, kommt es zum Eisprung. Dieser steht symbolisch für den inneren Sommer. Wir sind nun in unserer vollen Kraft, strotzen vor Energie und haben Lust und das nötige Selbstbewusstsein, uns der Welt zu zeigen. Wir spüren eventuell eine Verstärkung unserer extrovertierten Seite, sind gern unter Menschen und fühlen uns beflügelt, unseren Ideen und kreativen Projekte umzusetzen. Sobald der Eisprung vorüber ist, wird die übrig gebliebene Eihülle in eine Hormondrüse umgewandelt, den Gelbkörper. Dieser produziert nun das Hormon Progesteron, auch „Wohlfühlhormon“ genannt und leitet damit den inneren Herbst ein, eine Phase der Erntezeit und Reflektion. Wir ernten, was wir säen. Diese Phase kann für viele sehr herausfordernd sein, vor allem wenn der Hormonhaushalt nicht ausgeglichen ist und es an Erholung, Nährstoffen und somit auch an Progesteron mangelt und Östrogen im Verhältnis dazu nicht genügend abgebaut oder übermäßig produziert wird (eine Ursache für PMS). Gleichzeitig hält diese Phase viele Geschenke und wertvolle Erkenntnisse für uns bereit. Unsere Interessen, unsere Lust und unsere Aufmerksamkeit können sich nun stark verändern. Wir werden dünnhäutiger und sensibler für äußere Reize und innere Wahrnehmungen. Unser Auge fürs Detail ist geschärft und das können wir nutzen: wir haben Lust, Dinge zu vollenden, Ideen und Projekten den letzten Schliff zu geben, die Bude mal so richtig aufzuräumen oder den Kleiderschrank auszumisten. Wir merken nun stärker was uns stört und spüren eventuell auch eine stärkere Sehnsucht nach mehr Tiefe und Sinnhaftigkeit in unserem Leben. 

Kurz vor der Menstruation geht es in die prämenstruelle Phase, wir verlangsamen unser Tempo nun noch mehr und bereiten uns auf die besinnliche und nach innen gerichtete Zeit des inneren Winters vor. Die Hormonkonzentrationen nehmen stetig ab und die Außenwelt verliert ihren Reiz. Wenn eine bestimmte Schwelle erreicht ist, die Eizelle nicht befruchtet wurde und die Versorgung der Gebärmutterschleimhaut nicht mehr aufrechterhalten werden kann, werden unter anderem sogenannte Gewebshormone freigesetzt (Prostaglandine) und die Menstruation wird eingeleitet.

Wie nutzt du die Zyklusphasen im Alltag?

Zunächst einmal markiere ich mir die Zyklustage in meinen Terminkalender, so dass ich immer weiß in welcher Phase ich mich ungefähr befinde. Das gibt mir unter anderem die Möglichkeit, mir für die Phase der Menstruation zwei bis drei Tage komplett frei zu halten und so zu planen, dass ich alle wichtigen Aufgaben und Termine schon vorher erledigt habe. Außerdem nutze ich die Phasen für die Entwicklung und Verwirklichung von Ideen und Projekten, da ich durch Zyklusbeobachtung immer besser lerne, wann wo meine Stärken liegen und wie ich diese am besten einsetze. Das hilft mir müheloser und mit mehr Leichtigkeit meine Kreativität auszuleben. In den Tagen vor und während der Periode weiß ich zum Beispiel auch, dass ich stärker auf meine Bedürfnisse achten muss, mehr Ruhezeiten und Raum für Erholung einplane und häufiger mal Nein zu Dingen sage, die mich zu sehr erschöpfen könnten. Auch meine Ernährung und die Verwendung von Frauen*heilkräutern passe ich bis zu einem bestimmtem Grad an die Zyklusphasen an, um meinen Körper bei einem ausgeglichenen Hormonhaushalt zu unterstützen.

Gibt es bestimmte Dinge, die du während deiner Blutung beachtest?

Ich achte vor allem in den ersten drei Tagen darauf, dass ich so gut wie möglich keine Reize von außen bekomme und mich komplett in meine Innenwelt begebe. Ich ziehe mich in mein Bett zurück, vermeide Gespräche, lasse mein Handy auf Flugmodus und lenke mich auch sonst nicht mit anderen Dingen ab. Vielleicht lese ich mal in einem Buch von Eckhart Tolle oder ähnlichem, aber ansonsten begebe ich mich verstärkt in die Ruhe. Schlafen, schlummern, träumen. Ab und zu mal Gedanken und Ideen aufschreiben. Aufs Klo gehen und es frei bluten lassen. Langeweile hochkommen lassen. Aus dem Fenster schauen und Wolken beobachten. Kräutertee trinken. Meditieren und meinen Atem beobachten. Und ganz viel schlafen. Um die Durchblutung in meinem Unterleib zu fördern, mache ich sanfte Beckenübungen, lege mich auf eine Akkupressurmatte oder massiere meinen Bauch mit einem wohltuendem Öl. 

Was würdest du Zykluswesen raten, die mit der prämenstruellen Phase hadern?

Wenn wir uns die Wochen zuvor zu sehr verausgabt haben und zu oft über unsere Grenzen gegangen sind, werden wir nun von unserem Zyklus ausgebremst. Die unangenehmen Gefühle, die Gereiztheit und die Wut beispielsweise sind wichtige Zeiger und können oft auch ein Zeichen sein, dass sich etwas in unserem Leben verändern muss. Hinter solchen Symptomen liegt oft eine tiefe Erschöpfung, auf körperlicher und seelischer Ebene. Es ist wichtig, sich nun Zeit für sich zu nehmen und genau hinzuschauen. Was erschöpft mich? Wo geht zu viel meiner Energie hin? Welche Gewohnheiten tun mir wirklich gut und welche dienen mir nicht mehr? Wofür möchte ich mir mehr Zeit nehmen? Welche Gedanken ermutigen und beflügeln mich und welche wirken sich zerstörerisch auf mein Selbstwertgefühl aus? Wie spreche ich mit mir selbst?

In dieser Phase können wir verstärkt lernen Nein zu sagen. Für unsere Bedürfnisse und Wünsche einstehen und für unser Wohlbefinden Verantwortung übernehmen. Gesunde Grenzen ziehen und anderen klar machen, was wir brauchen und womit wir uns gut fühlen. Klar und direkt kommunizieren, was uns nicht passt. Hineinspüren, langsamer machen und sich auch innerlich schon auf die Zeit der Menstruation vorbereiten. Mehr in die Stille gehen, Verantwortungen abgeben so gut es geht. Öfter mal raus gehen in die Natur und frische Luft atmen, die Sonne genießen. Den Emotionen durch Tanz und Kreativität einen Ausdruck geben. Oder einfach mal ein Nickerchen machen. Und sich Erholung und Ruhephasen auch wirklich erlauben und merken, dass es ohne einfach nicht lange geht. Auf körperlicher Ebene helfen verschiedene Heilkräuter wie Frauenmantel, Schafgarbe, Mönchspfeffer, Melisse oder Ashwagandha (Pulverform) und auch bestimmte Supplemente. Mit die wichtigsten und wirkungsvollsten sind für mich Magnesium und Calcium. Eine erhöhte Aufnahme durch hochwertige Nahrungsergänzungsmittel (Mg-Malat, -Citrat oder als Komplex) kann da wahre Wunder bewirken. Ich nehme das zusammen mit Vitamin D3 und K2 unterstützend den ganzen Zyklus hindurch. Für die Produktion von ausreichend Progesteron sind zudem Vitamin C, B6, B12, E, D3 und Selen essentiell. Es kann auch sehr helfen, durch Zyklusbeobachtung und ein Zyklustagebuch die Ursachen für bestimmte Symptome ausfindig zu machen, Zusammenhänge zu verstehen und für sich persönlich herauszufinden, wie man sich selbst während des Zyklus besser unterstützen und nähren kann.

Hast du Empfehlungen für Zykluswesen, die an Regelschmerzen leiden?

Zunächst einmal hab ich die Erfahrung gemacht, dass Regelschmerzen und Krämpfe um einiges angenehmer werden und sich lösen, wenn ich mich bewusst entspanne, mich zurückziehe und langsam mache. Verantwortung abgebe und die Menschen um mich herum informiere und um Unterstützung bitte. Eine menstruelle Auszeit von zwei bis drei Tagen hilft mir sehr, aber auch schon eine Stunde am Tag oder die Intention 10% weniger zu machen und weniger von sich selbst zu erwarten, kann enorm erleichtern. Und das fühlt dann auch der Körper und die Muskulatur in der Gebärmutter kann sich entspannen. Ganz akut helfen mir außerdem: Heilkräutertees wie Himbeerblätter, Schafgarbe und Frauenmantel (3 Tassen pro Tag, 7-8 min. zugedeckt ziehen lassen, aus ökologischem Anbau), angenehme Periodenprodukte wie Stoffbinden und Menstruationspanties kombiniert mit dem Freien Bluten (seitdem ich keine Tampons oder Tasse mehr verwende, sind die Krämpfe stark zurückgegangen), tiefes Atmen in den Schoßraum, leichte Beckenübungen oder auch mich mit dem Unterleib und dem unteren Rücken auf eine Akkupressurmatte legen. Alles was die Durchblutung fördert und das Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, lindert den Schmerz. Zudem nehme ich verstärkt während der Periode Nahrungsergänzungsmittel die schmerzlindernd und entkrampfend sind und eine entzündungshemmende Wirkung haben, wie Magnesium(als Citrat oder Malat, Mg-Oxid ist eher unvorteilhaft), Zink und Omega 3 Fettsäuren aus Algenöl. Das macht wirklich einen großen Unterschied, vor allem auch wenn man damit in den Tagen vor der Periode schon beginnt. Langfristig geht es darum, die Hormone wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Ursache für die Schmerzen herauszufinden und entsprechend den Lebensstil anzupassen. Ich gebe dazu Tipps und Anregungen in meinem Zyklus-Guide, in meinem Podcast und auf Instagram. 

Was würdest du dir im gesellschaftlichen Umgang mit dem Menstruationszyklus und der Menstruation wünschen?

Ich wünsche mir mehr Aufklärung, vor allem an Schulen. Unterrichtseinheiten im Biologie-Unterricht wären toll, in denen der menstruelle Zyklus erklärt wird und den potenziell Menstruierenden, aber auch den anderen die Scham und auch die Unwissenheit genommen wird und durch Selbstsicherheit und Respekt ersetzt wird. Ich wünsche mir mehr Möglichkeiten zur menstruellen Auszeit und dass immer mehr erkannt wird, dass es deutlich sinnvoller und effektiver ist, im Einklang mit dem eigenen Energielevel tätig zu sein. Dass eine Pause und intensive Phase der Erholung während der Menstruation langfristig für mehr Energie sorgt und Menstruierende stärker mit ihrer eigenen Vision und ihren Herzenswünschen verbindet.

 Allgemein mehr Wertschätzung für den Prozess der Fruchtbarkeit, die natürlichen Zyklen und die Kraft des Femininen. Wie wäre es mit Festen zur Menarche (allererste Monatsblutung) und mehr Förderung öffentlicher Projekte und Veranstaltungen zu dem Thema? Ganz wichtig ist mir auch eine klare Veränderung im medizinischen Bereich. Beschwerden müssen ernster genommen werden, Regelschmerzen, unregelmäßige Zyklen oder das Ausbleiben der Periode dürfen nicht ignoriert und als harmlos abgetan werden. Wir müssen einen ganzheitlichen Ansatz zur Heilung finden, das Zyklische in uns beachten und die Ursachen erkennen.

Welches Buch würdest du interessierten Menschen gerne ans Herz legen und weshalb?

Das Buch „Wild Power – Dein Zyklus als Quelle weiblicher Kraft“ von Alexandra Pope und Sjanie Hugo Wurlitzer hat mich unglaublich darin bestärkt, mich selbstsicherer mit meinem Zyklus und meiner Weiblichkeit zu fühlen. Darin werden sehr schön und detailreich die Zusammenhänge der Psyche mit den einzelnen Phasen erklärt und es veranschaulicht den Zyklus als emotionalen und spirituellen Wegweiser. Es tut einfach gut, sich selbst endlich besser zu verstehen und annehmen zu lernen. 

Ein Buch, das mir sehr hilft, meinen Körper durch gezielte Ernährung und Bewegung im Alltag für ein hormonelles Gleichgewicht zu unterstützen, ist „Hormon Power“ von Marjolein Dubbers.

Und ein Buch, dass mir wirklich am Herzen liegt und dass ich jeden Menschen, vor allem die mit einer starken weiblichen Essenz, ans Herz legen möchte, ist „Die Wolfsfrau – Die Kraft der weiblichen Urinstinkte“ von Clarissa Pinkola Estés. Dieses Buch ist so kraftvoll, bestärkend und erkenntnisreich, dass ich es wahrscheinlich mein ganzes Leben lang immer mal wieder in die Hände nehme, um wieder bei mir selbst anzukommen, mich mit meiner Intuition zu verbinden und auch um meinen Mitmenschen daraus vorzulesen.

remember the cheetah within!

such an inspiring interview with glennon doyle about what it means to live an untamed life! stop chasing those dirty pink bunnies and remember you’re a fucking cheetah. let your wild heart take you places and don’t fear getting hurt because you’ll recover from your painful experiences. do you wake up every day knowing you are living your truth? are you creating a life from the inside? can you embrace the beauty of your feral heart? we wanna see all of it because it’s cheetahs like you who remind us of that throbbing, of that yearning, of that beaming that just wants to be unleashed into the world! we can handle you, we need you, we want you to come and shake our old beliefs to their very foundations- because we are hungry for your wildness and tired of the bs we’ve been fed for so long.

this is for you, darlings:

Source: YouTube

menstruieren mit kindern

mit kindern mondzeit machen war nochmal eine völlig neue erfahrung. dass ich diese zeit des rückzugs, der ruhe und der regeneration auch als mutter für mich nutzen wollen würde, stand von anfang an für mich fest - auch, wenn ich da noch keine vorstellung hatte, wie das dann später konkret aussehen würde. was ich euch schreibe, basiert auf meinen erfahrungen und soll als impuls dienen, euren kindern den menstruationszyklus und insbesondere die menstruation nahe zu bringen. 

wenn wir wollen, dass die menstruation kein tabu bleibt, müssen wir bei uns selbst damit anfangen – und dann nach und nach den kreis erweitern. wenn wir kinder haben, gehören diese zu unserem engsten kreis. ich finde es wichtig, dass wir sie an unserem zyklischen dasein teilhaben lassen. denn dadurch vermitteln wir ihnen ein elementares prinzip, das ihnen im leben wieder und wieder begegnen wird: das vom vergehen und werden.

wer befürchtet seine kinder mit dem thema monatsblutung zu belasten, sei unbesorgt. je normaler ihr mit eurer periode umgeht, umso normaler gehen eure kinder damit um. das entspricht zumindest meinen erfahrungen mit drei kindern (ein sohn und zwei töchter im alter von 3 bis 8 jahre).

wenn wir uns wünschen, dass unsere kinder einen unbeschwerten zugang zum thema menstruation bekommen, müssen wir als erstes unsere eigene einstellung hierzu reflektieren. denn unsere haltung beeinflusst wie unsere kinder damit in zukunft umgehen werden.

es gibt sicher noch viel mehr fragen, die wir uns stellen können, aber hier sind ein paar dinge, die wir reflektieren können: verschweigen wir oder verheimlichen wir unsere menstruation in der familie? wie sprechen wir über sie? mit ekel, genervtheit oder ablehnung? mit wertschätzung? wie haben wir unsere erste blutung erlebt? wie wurde damit in unserer familie und in unserem umfeld umgegangen? erleben wir unsere periode als unangenehm oder schmerzhaft und geben diese information so (unreflektiert) an unsere kinder weiter? sprechen wir distanziert, so als wollten wir mit dieser sachen nichts am hut haben? betrachen wir die menstruation eher rational und wissenschaftlich? ist sie für uns die normalste sache der welt und gehört einfach zum leben dazu? haben wir einen spirituellen zugang und erleben die menstruation und unseren gesamten zyklus als bereichernd? leben wir im einklang mit unserem zyklus oder schenken wir ihm keine beachtung?

falls wir in einer partnerschaft leben: sprechen wir mit unserem partner*in darüber? erfahren wir in dieser zeit unterstützung und verständnis oder stoßen wir bei ihm/ihr auf ablehnung? erleben unsere kinder ihren vater als unterstützend und hilfsbereit in dieser zeit oder ist alles so wie immer?

ob unsere kinder mit einem wissen über den menstruationszyklus aufwachsen und wie wir dieses wissen vermitteln, beginnt also mit unserer eigenen geschichte, prägung und einstellung. das solltet ihr euch bewusst machen bevor ihr das gespräch mit ihnen sucht. vertraut in der sache eurem instinkt und lasst euch beim prozess auch von euren kindern leiten.

kennt ihr, oder? sobald die kids auf der welt sind, ist alleine auf toilette gehen vor allem eins: a thing of the past. besonders, wenn die kleinen scheißer noch jung sind. so blieb es natürlich nicht aus, dass meine kinder im laufe der zeit auch mein menstruationsblut entdeckten und das sorgt(e) immer wieder für großes interesse.

wie immer wenn es um meinen körper geht, fahre ich auch hier mit der devise: ich dränge mich nicht auf, aber wenn sie interesse haben, stehen ihnen alle türen offen. als sie wissen wollten, was das für blut ist, konnte ich es ihnen erklären. ihre anfängliche sorge, dass ich blute, weil ich verletzt bin, konnte ich ihnen damit auch gleich nehmen.

wenn jüngere kinder neugierig sind und euer blut sehen wollen, zeigt es ihnen und normalisiert diese körperfunktion. drängt euch niemals auf, aber seid offen für ihr interesse, ihre fragen, ihre anmerkungen und bewertet diese nicht.

ich behaupte, diese klogespräche haben nebenbei auch eine positive präventivwirkung: meine töchter werden vermutlich keine angst haben, wenn sie ihre menarche bekommen oder zumindest sehr genau wissen, was passiert ist und mein sohn weiß, dass er später ein mädchen, das einen blutfleck auf der hose hat, behutsam darauf aufmerksam machen und ihr z.b. seinen pulli zum umbinden anbieten darf, wenn sie das möchte.

indem ich mich während meiner menstruation zurückziehe und versuche für mich zu sein, lernen meine kinder, verstärkt rücksicht zu nehmen. durch meine menstruelle auszeit lernen sie auch, dass es wichtig und legitim ist, die bedürfnisse des eigenen körpers ernst zu nehmen, dafür einzustehen und anderen diese zu kommunizieren. das gilt auch für ihre körper.

um während meiner blutung ruhe vom haushalt zu haben, gehe ich so viel wie möglich in vorleistung. d.h. ich wasche alles was an wäsche da ist, mache vorher den großeinkauf und manchmal koche ich auch vor.

wenn es um die essenszubereitung geht, mache ich in dieser zeit keine großen sprünge, ich koche keine lieblingsgerichte und backe auch keine kuchen. wenn sie also zum beispiel lust auf eine gemüsesuppe haben, dann müssen sie selbst schälen und schnippeln. das ist nichts außergewöhnliches, wir kochen oft zusammen und es gibt super kindermesser von opinel (unbezahlte werbung ;-)), die ab dem dritten lebensjahr geeignet sind. ich übernehme dann nur noch das hantieren mit kochendem wasser.

meine kinder wissen auch, dass ich in dieser zeit wenig bis keine große unternehmungen mit ihnen mache und auch keine gäste empfange – weder ihre, noch meine. all das ist nichts, was für sonderlich große enttäuschung sorgt, wenn ich sie daran erinnere, sondern meist ein, „ach stimmt ja, hab ich ganz vergessen, mama. aber dann wieder nach der mondi!“

für sie ist mein zyklus und das wissen, dass es phasen gibt, in denen ich ihnen sehr zugewandt bin (also die meiste zeit) und phasen gibt, in denen ich mehr für mich sein möchte, so selbstverständlich wie zähne putzen. sie kennen es nicht anders.

wenn es um die teilhabe eurer kinder geht, werdet kreativ. ihr könntet sie ein schild malen lassen, das ihr während eurer blutung an eure schlafzimmertür hängt. dieses schild ist ein signal, dass reinkommen erlaubt ist, aber dass sie vorher anklopfen sollen (wird auch mal gern vergessen) und dass sie sich in eurem mondzeitraum ruhig und respektvoll verhalten, dass kuscheln ok ist, aber toben nicht.

vielleicht macht ihr es euch während der menstruation auch mal gemeinsam gemütlich, mit einem schönen tee und einem buch zum vorlesen auf der couch. oder ihr baut gemeinsam eine kuschelhöhle oder räuchert zusammen die wohnung (meine kinder lieben das!) oder ihr bastelt oder malt was zusammen. ihr habt sicher selbst genug ideen, welche ruhige, besinnliche aktivität sich da eignet. bindet eure kinder gerne auch in diese überlegungen mit ein.

vielleicht richtet ihr euren kids eine besondere kiste für diese zeit mit bestimmten spielen oder bastelsachen, die nur während eurer menstruation zum einsatz kommt.

bevor ihr das gespräch mit eurem partner*in oder kindern sucht, solltet ihr euch klar machen, was ihr euch von eurer familie während der menstruation (oder auch schon kurz davor) wünscht. es geht hier nicht um einen perfekten plan, denn gerade das nutzen der menstruation als kraftquelle und arbeiten mit den einzelnen zyklusphase ist eine entdeckungsreise.

falls vorhanden, zieht eure*n partner*in oder vater eurer kinder ins gespräch, erläutert eure beweggründe, bittet um unterstützung und überlegt gemeinsam, wie diese konkret (!) aussehen könnte.

nach dem partnergespräch würde ich das gespräch mit den kindern führen, in dem ihr erläutert, weshalb euch diese zeit so wichtig ist und dass ihr eure energie auftankt, um für den restlichen zyklus viel kraft zu haben – auch für die kinder.

ihr könntet erklären, dass euer körper in dieser zeit müder und ruhebedürftiger ist und dass die monatsblutung ein normaler vorgang ist und ein zeichen für eure gesundheit.

eure kinder werden es nicht immer gutheißen, dass ihr vor und während eurer menstruation mehr aufmerksamkeit für euch braucht, aber sie werden sich daran gewöhnen und irgendwann ist es teil ihrer normalität.

euer zyklus ist ein geschenk – lasst eure kinder daran teilhaben!