menstruieren mit kindern

mit kindern mondzeit machen war nochmal eine völlig neue erfahrung. dass ich diese zeit des rückzugs, der ruhe und der regeneration auch als mutter für mich nutzen wollen würde, stand von anfang an für mich fest - auch, wenn ich da noch keine vorstellung hatte, wie das dann später konkret aussehen würde. was ich euch schreibe, basiert auf meinen erfahrungen und soll als impuls dienen, euren kindern den menstruationszyklus und insbesondere die menstruation nahe zu bringen. 

wenn wir wollen, dass die menstruation kein tabu bleibt, müssen wir bei uns selbst damit anfangen – und dann nach und nach den kreis erweitern. wenn wir kinder haben, gehören diese zu unserem engsten kreis. ich finde es wichtig, dass wir sie an unserem zyklischen dasein teilhaben lassen. denn dadurch vermitteln wir ihnen ein elementares prinzip, das ihnen im leben wieder und wieder begegnen wird: das vom vergehen und werden.

wer befürchtet seine kinder mit dem thema monatsblutung zu belasten, sei unbesorgt. je normaler ihr mit eurer periode umgeht, umso normaler gehen eure kinder damit um. das entspricht zumindest meinen erfahrungen mit drei kindern (ein sohn und zwei töchter im alter von 3 bis 8 jahre).

wenn wir uns wünschen, dass unsere kinder einen unbeschwerten zugang zum thema menstruation bekommen, müssen wir als erstes unsere eigene einstellung hierzu reflektieren. denn unsere haltung beeinflusst wie unsere kinder damit in zukunft umgehen werden.

es gibt sicher noch viel mehr fragen, die wir uns stellen können, aber hier sind ein paar dinge, die wir reflektieren können: verschweigen wir oder verheimlichen wir unsere menstruation in der familie? wie sprechen wir über sie? mit ekel, genervtheit oder ablehnung? mit wertschätzung? wie haben wir unsere erste blutung erlebt? wie wurde damit in unserer familie und in unserem umfeld umgegangen? erleben wir unsere periode als unangenehm oder schmerzhaft und geben diese information so (unreflektiert) an unsere kinder weiter? sprechen wir distanziert, so als wollten wir mit dieser sachen nichts am hut haben? betrachen wir die menstruation eher rational und wissenschaftlich? ist sie für uns die normalste sache der welt und gehört einfach zum leben dazu? haben wir einen spirituellen zugang und erleben die menstruation und unseren gesamten zyklus als bereichernd? leben wir im einklang mit unserem zyklus oder schenken wir ihm keine beachtung?

falls wir in einer partnerschaft leben: sprechen wir mit unserem partner*in darüber? erfahren wir in dieser zeit unterstützung und verständnis oder stoßen wir bei ihm/ihr auf ablehnung? erleben unsere kinder ihren vater als unterstützend und hilfsbereit in dieser zeit oder ist alles so wie immer?

ob unsere kinder mit einem wissen über den menstruationszyklus aufwachsen und wie wir dieses wissen vermitteln, beginnt also mit unserer eigenen geschichte, prägung und einstellung. das solltet ihr euch bewusst machen bevor ihr das gespräch mit ihnen sucht. vertraut in der sache eurem instinkt und lasst euch beim prozess auch von euren kindern leiten.

kennt ihr, oder? sobald die kids auf der welt sind, ist alleine auf toilette gehen vor allem eins: a thing of the past. besonders, wenn die kleinen scheißer noch jung sind. so blieb es natürlich nicht aus, dass meine kinder im laufe der zeit auch mein menstruationsblut entdeckten und das sorgt(e) immer wieder für großes interesse.

wie immer wenn es um meinen körper geht, fahre ich auch hier mit der devise: ich dränge mich nicht auf, aber wenn sie interesse haben, stehen ihnen alle türen offen. als sie wissen wollten, was das für blut ist, konnte ich es ihnen erklären. ihre anfängliche sorge, dass ich blute, weil ich verletzt bin, konnte ich ihnen damit auch gleich nehmen.

wenn jüngere kinder neugierig sind und euer blut sehen wollen, zeigt es ihnen und normalisiert diese körperfunktion. drängt euch niemals auf, aber seid offen für ihr interesse, ihre fragen, ihre anmerkungen und bewertet diese nicht.

ich behaupte, diese klogespräche haben nebenbei auch eine positive präventivwirkung: meine töchter werden vermutlich keine angst haben, wenn sie ihre menarche bekommen oder zumindest sehr genau wissen, was passiert ist und mein sohn weiß, dass er später ein mädchen, das einen blutfleck auf der hose hat, behutsam darauf aufmerksam machen und ihr z.b. seinen pulli zum umbinden anbieten darf, wenn sie das möchte.

indem ich mich während meiner menstruation zurückziehe und versuche für mich zu sein, lernen meine kinder, verstärkt rücksicht zu nehmen. durch meine menstruelle auszeit lernen sie auch, dass es wichtig und legitim ist, die bedürfnisse des eigenen körpers ernst zu nehmen, dafür einzustehen und anderen diese zu kommunizieren. das gilt auch für ihre körper.

um während meiner blutung ruhe vom haushalt zu haben, gehe ich so viel wie möglich in vorleistung. d.h. ich wasche alles was an wäsche da ist, mache vorher den großeinkauf und manchmal koche ich auch vor.

wenn es um die essenszubereitung geht, mache ich in dieser zeit keine großen sprünge, ich koche keine lieblingsgerichte und backe auch keine kuchen. wenn sie also zum beispiel lust auf eine gemüsesuppe haben, dann müssen sie selbst schälen und schnippeln. das ist nichts außergewöhnliches, wir kochen oft zusammen und es gibt super kindermesser von opinel (unbezahlte werbung ;-)), die ab dem dritten lebensjahr geeignet sind. ich übernehme dann nur noch das hantieren mit kochendem wasser.

meine kinder wissen auch, dass ich in dieser zeit wenig bis keine große unternehmungen mit ihnen mache und auch keine gäste empfange – weder ihre, noch meine. all das ist nichts, was für sonderlich große enttäuschung sorgt, wenn ich sie daran erinnere, sondern meist ein, „ach stimmt ja, hab ich ganz vergessen, mama. aber dann wieder nach der mondi!“

für sie ist mein zyklus und das wissen, dass es phasen gibt, in denen ich ihnen sehr zugewandt bin (also die meiste zeit) und phasen gibt, in denen ich mehr für mich sein möchte, so selbstverständlich wie zähne putzen. sie kennen es nicht anders.

wenn es um die teilhabe eurer kinder geht, werdet kreativ. ihr könntet sie ein schild malen lassen, das ihr während eurer blutung an eure schlafzimmertür hängt. dieses schild ist ein signal, dass reinkommen erlaubt ist, aber dass sie vorher anklopfen sollen (wird auch mal gern vergessen) und dass sie sich in eurem mondzeitraum ruhig und respektvoll verhalten, dass kuscheln ok ist, aber toben nicht.

vielleicht macht ihr es euch während der menstruation auch mal gemeinsam gemütlich, mit einem schönen tee und einem buch zum vorlesen auf der couch. oder ihr baut gemeinsam eine kuschelhöhle oder räuchert zusammen die wohnung (meine kinder lieben das!) oder ihr bastelt oder malt was zusammen. ihr habt sicher selbst genug ideen, welche ruhige, besinnliche aktivität sich da eignet. bindet eure kinder gerne auch in diese überlegungen mit ein.

vielleicht richtet ihr euren kids eine besondere kiste für diese zeit mit bestimmten spielen oder bastelsachen, die nur während eurer menstruation zum einsatz kommt.

bevor ihr das gespräch mit eurem partner*in oder kindern sucht, solltet ihr euch klar machen, was ihr euch von eurer familie während der menstruation (oder auch schon kurz davor) wünscht. es geht hier nicht um einen perfekten plan, denn gerade das nutzen der menstruation als kraftquelle und arbeiten mit den einzelnen zyklusphase ist eine entdeckungsreise.

falls vorhanden, zieht eure*n partner*in oder vater eurer kinder ins gespräch, erläutert eure beweggründe, bittet um unterstützung und überlegt gemeinsam, wie diese konkret (!) aussehen könnte.

nach dem partnergespräch würde ich das gespräch mit den kindern führen, in dem ihr erläutert, weshalb euch diese zeit so wichtig ist und dass ihr eure energie auftankt, um für den restlichen zyklus viel kraft zu haben – auch für die kinder.

ihr könntet erklären, dass euer körper in dieser zeit müder und ruhebedürftiger ist und dass die monatsblutung ein normaler vorgang ist und ein zeichen für eure gesundheit.

eure kinder werden es nicht immer gutheißen, dass ihr vor und während eurer menstruation mehr aufmerksamkeit für euch braucht, aber sie werden sich daran gewöhnen und irgendwann ist es teil ihrer normalität.

euer zyklus ist ein geschenk – lasst eure kinder daran teilhaben!

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