tschüss, stöpsel!

die wahl deiner monatshygiene hat nicht nur einen einfluss auf deine gesundheit, sondern auch auf dein menstruelles bewusstsein. als mädchen benutzte ich binden, später wechselte ich dann zu tampons. immer verwendete ich konventionelle produkte und über das thema gesundheit und nachhaltigkeit machte ich mir damals keine gedanken. vor über 16 jahren fiel mir dann das buch von tela lake, die mondtänzerin, in die hände. ihr kapitel zur menstruation schlug ein wie eine bombe und veränderte mein leben nachhaltig. auch das thema monatshygiene überdachte ich dank ihrer empfehlungen nochmal neu und lebe seit 16 jahren stöpselfrei.
tampons (auch bio-produkte) trocknen die scheide aus und machen sie anfälliger für infektionen und scheidenpilz.

verbraucher*innen schutz sieht anders aus: herkömmliche tampons können rückstände von pestiziden, dioxinen und formaldehyd enthalten. eine kennzeichnungspflicht besteht in deutschland nicht. das bedeutet, dass menstruierende nicht wissen, aus welchen rohstoffen der tampon besteht, woher diese stammen, ob diese rohstoffe chemisch behandelt wurden und welche chemikalien später bei der verarbeitung zum einsatz kamen.

auch die schadstoffgrenze für taschentücher und tampons ist die gleiche:

“ [doch es] macht einen unterschied, ob ich für ein paar sekunden in ein taschentuch hinein schnäuze oder ob ich ein produkt wie den tampon eigentlich mehrere tage in monat im körper an den schleimhäuten trage.“ bettina steinbrugger, erdbeerwoche.com

gelegentlich stoße ich auf artikel, in denen behauptet wird, dass die auswirkungen, die chemische rückstände in konventionellen tampons auf die gesundheit menstruierender haben könnten, überwertet werden. zum teil werden diese produkte dann als unbedenklich eingestuft. really? wie kann man nur zu so einer aussage kommen? meines wissens gibt es über die folgen, die konventionelle tampons auf die gesundheit menstruierender haben können, keine (langzeit)studien. ob sich also durch den gebrauch von tampons langfristig schadstoffe im körper der menstruierenden ansammeln, wie diese möglicherweise den körper der menstruierenden beeinflussen und ob diese rückstände dann erkrankungen zur folge haben können, ist nicht erforscht!

tela empfiehlt, das blut frei fließen zu lassen, ohne es durch einen tampon zu blockieren. das erschien mir schlüssig. nicht nur wegen des – wenn auch sehr selten auftretenden– toxischen schocksyndroms, das durch bakteriengiften auf verunreinigten tampons entstehen kann.

der tampon – und auch die menstruationstasse– fungiert wie ein propf und hindert dein menstruationsblut daran aus deiner scheide zu fließen. indem du den blutfluss körperlich nicht mehr spürst, stöpselst du die menstruation auch ein stück weit aus deinem bewusstsein.

während wir menstruieren fließt das blut nicht dauerhaft, sondern gluckert zuweilen stoßweise aus uns heraus. am ende unserer blutung lässt die häufigkeit und intensität dieser empfindung dann nach, da unser blutfluss zurückgeht. indem ich meinen blutfluss spüre, nehme ich meine menstruation bewusster wahr und bin dadurch in verbindung mit meinem körper.

ich wechselte also wieder zur binde und spürte plötzlich wieder meinen blutfluß. durch das tragen des tampons war dieses gefühl völlig unterdrückt worden. diese empfindung wieder zu spüren, war anfangs ungewohnt, doch ich fühlte mich erleichtert und genoß es, wieder im kontakt mit diesem körpergefühl zu sein.

du haderst beim gedanken eine binde zu benutzen? 
was genau stört dich an der vorstellung? hast du angst, du könntest auslaufen? hast du sorge, du könntest schlecht riechen? findest du das gefühl eine binde zu tragen unangenehm? bist du verunsichert, welche binde du verwenden sollst, da du die stärke deines blutflusses nicht so richtig einschätzen kannst? vielleicht hilft es dir, dich zu fragen, weshalb du binden ablehnst. wir sind diesbezüglich gesellschaftlich geprägt und auch die werbung, die mit unserer angst vor dem auslaufen und vor geruchsbildung – schlagwort "sauber" und "sicher" – ihre produkte bewirbt, hat einen einfluss auf die wahl unserer monatshygiene. wir müssen uns vor gar nichts schützen – außer vielleicht vor multinationals, die sich mit ihren chemisch-belasteten monatshygieneprodukten einen goldenen arsch verdienen und dabei die unswelt verschmutzen.

binden zu tragen ist nicht unhygienisch, im gegenteil:
du tust deinem körper damit etwas gutes, denn dein menstruationsblut kann ungehindert abfließen. hab auch keine angst vor dem auslaufen oder vor geruchsbildung: dem kannst du vorbeugen, indem du deine binde rechtzeitig wechselst und dich abends und morgens (möglichst ohne seife) im intimbereich wäscht.

besorg dir verschiedene bindengrößen und probier einfach mal aus, was zu dir passt. lass die finger von parfümierten binden und verwende dir und der unswelt zuliebe bio- oder stoffbinden. wenn du dich unsicher fühlst, könntest du die binden erstmal zuhause tragen und dich langsam herantasten, bis du dich wohl fühlst diese auch außer haus zu tragen.

eine gute alternative zur binde ist menstruationsunterwäsche. das sind schlüpfer mit integrieter saugeinlage, die das menstruationsblut auffangen. du trägst sie wie einen slip und benötigst keine zusätzliche monatshygien. ich habe mir sagen lassen, bei sehr starker blutung, je nach modell & hersteller, allerdings schon. schau doch mal im netz, da gibt es mittlerweile einige anbieter in deutschland. ich selbst habe sie noch nie ausprobiert, würde sie aber verwenden, wenn ich nicht schon mit stoffbinden versorgt wäre.

solltest du dich so gar nicht mit binden oder menstruationsunterwäsche anfreunden können, wechsele besser vom tampon auf die tasse. eine menstruationstasse besteht aus medizinischem silikon, fängt das blut in deiner scheide auf und trocknet diese nicht aus. außerdem schont sie deinen geldbeutel und die unswelt. ich kenne viele frauen, die sie benutzen und absolut zufrieden damit sind.

oder du versuchst es mal mit free bleeding. das ist dann aber eher was für daheim. oder für gut geübte 😉

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